Wie wird man Quiz-Champion?

Hier mal ein anderes Thema: Wie wird man Quiz-Champion?

Eine Frage die wir unseren Mannschaftsführer der zweiten Mannschaft Michael Buscher stellen.

Letzten Samstag strahlte das ZDF die aktuelle Folge der beliebten Quiz-Sendung mit JBK aus. Nicht ganz überraschend gewann Michael die Show und somit 100.000 Euro.

Hier nun seine Antwort:

Nun, zunächst mal muss man überhaupt Kandidat werden… Das war bei mir mit etwas Anlauf verbunden: Im Jahr 2011 suchte Kai Pflaume im Ersten nach dem „Klügsten Deutschen“. Mein großes Ego hat mich natürlich veranlasst, mich angesprochen zu fühlen, und eine Bewerbung zu verfassen. Was sich anschließend tat vom Hotel-Casting über Jury-Casting usw. ist vielleicht auch interessant, aber hier und jetzt nicht Thema. Bekannt dürfte dem ein oder anderen noch sein, dass am Ende zwischen den beiden Finalisten Sebastian Runde und mir kein faires Spiel entschied, sondern ein Telefon-Voting mit dem zu erwartenden Ausgang.

Diese Sendung hatten aber offenbar auch Leute gesehen, die für die Kandidatenvorauswahl für Quiz-Champion verantwortlich waren, denn von meinen Konkurrenten beim „Klügsten Deutschen“ tauchten später Dr. Kruck (verlor im Finale) und auch Sebastian R. (zog gegen Tim Mälzer den Kürzeren) im Quiz-Champion auf; auch mich hatte man vor einiger Zeit kontaktiert. Nach einem Casting hatte ich von dort aber sinngemäß vernommen, ich wäre gut, aber knapp nicht gut genug gewesen – bitter, aber das Leben ist kein Ponyhof und auch kein Wunschkonzert, nicht wahr? Ich war also durchaus überrascht, als ich im Frühjahr 2017 einen Anruf bekam, man bräuchte einen Kandidaten für den Quiz-Champion, ob ich vielleicht Lust hätte…? Ich hatte! Kurz danach wurde ein Einspielfilm gedreht, Flüge gebucht, Hotel reserviert; die Sache nahm also Form an. (Notiz am Rande: Das Exposé für den Produzenten des Einspielers behauptete, ich wäre 48, das musste ich dann korrigieren. Es stellte sich damit heraus, dass ich tatsächlich 2015 kurz davor war, Kandidat zu werden, denn von da stammte das fehlerhafte Alter.)

Ich reiste also im April 2017 nach Berlin. April? Doch, April! Zu meinem Erstaunen waren wir dort für die Samstagsausgabe nicht weniger als 13 Kandidaten und damit mehr als benötigt. Die Produzenten bestellen aber ein paar mehr ein für den Fall, dass welche bei der Startaufgabe „Sieben richtige Antworten in einer Minute“ scheitern oder früh ausscheiden. Nach welchen Kriterien entschieden wird, wer wann drankommt, weiß ich nicht – jedenfalls blieb ich an dem Tag hinter den Kulissen auf der Ersatzbank. Für die nächste Produktion im Juni wurde ich gar nicht erst angefragt, auch hier weiß ich nicht, nach welchen Kriterien das erfolgt oder vielmehr nicht erfolgt ist. Im Oktober fragte ich dann mal vorsichtig an, welche Termine ich mir im November freihalten sollte, wurde aber wiederum abschlägig beschieden und auf nächstes Frühjahr verwiesen.

Alles sehr traurig, nicht wahr? Kein Problem, liebe Groschenheftleser, ein Happy-End ist versprochen… Kurz nach der Absage meldete sich die gleiche Redakteurin bei mir, ein vorgesehener Kandidat sei ausgefallen und daher ein Platz frei. Ohne großes Zögern sagte ich zu und hatte zumindest eine weitere Reise nach Berlin gebucht, wenn auch wiederum ohne Einsatzgarantie. Präzise formuliert ging es allerdings nach Kleinmachnow, das seinen Namen zu Recht trägt, dort befindet sich ziemlich im Niemandsland ein NH-Hotel. Das Studio, in dem produziert wurde, ist allerdings in dem deutlich renommierteren Potsdam.

Wiederum saßen wir zu 13 Kandidaten hinter den Kulissen und ich befürchtet schon halb und halb, wieder auf der Ersatzbank zu versauern. Die Überhangkandidatin vom Vortag führte im fünften und letzten Duell 2:1 gegen Prof. Knopp. Es erschien eine geradezu banale Frage und wir sahen sie schon in der „Champions lounge“ sitzen, doch erstaunlicherweise lag sie daneben, bei der anschließenden Frage direkt noch mal und sie war auf der Zielgeraden gestolpert. Der nächste Kandidat wurde ins Rennen geschickt und ich verkabelt – das ist das Zeichen dafür, dass man danach drankommt. Der Maschinenbau-Ingenieur schlug sich ganz gut und schied erst im dritten oder vierten Duell aus, aber damit war die Bühne frei und der Platz auf der Couch oben immer noch leer. Die Aufwärmrunde war trivial, aber im ersten Duell ging es direkt gegen Prof. Knopp, den man in Zeitgeschichte nur schwer auf dem falschen Fuß erwischen kann. War auch nicht der Fall, nach fünf Fragen stand es 5:5 und im Stechen kann die Devise nur lauten „erst buzzern, dann die Frage lesen“ – in der Regel sind die Fragen lösbar und die Wahrscheinlichkeit ist höher, dass man es selber weiß und in zehn Sekunden beantworten kann als dass der Experte es nicht weiß. Gegen den Comedian Kessler, der erstaunlicherweise den Goldstrand nicht zuordnen konnte, ging ich mit 2:1 in Führung, hatte dann aber eine seltsame Blockade bei einer auf u.a. auf Monaco bezogenen Frage, obwohl oder vermutlich gerade weil ich mehrfach dort gewesen war. Beim Stand von 3:3 kam dann zum Glück eine Frage mit geschichtlichem Aspekt. (Der 38. Breitengrad trennt die beiden Koreas, die Nordkoreaner überschritten die Demarkationslinie 1950 und lösten so den bei uns in Europa weitgehend vergessenen Koreakrieg aus.) Das wusste Kessler nicht, musste raten und lag falsch. Gegen die Schauspielerin Katharina Thalbach entschied die Tatsache, dass sie vom großen „ß“ – was ich hier auch nicht in die Tastatur bekomme – noch nichts gehört hatte zu meinen Gunsten und so langsam stiegen meine Chancen, tatsächlich den Jackpot zu knacken, an. Allerdings ist Marcel Reif schon vielen Kandidaten zum Verhängnis geworden (Laura Wontorra oder Franziska van Almsick wären deutlich angenehmer gewesen), aber man kann sich seine Gegner nicht wünschen. Seltsamerweise konnte ich mir gegen ihn einen Fehler leisten, weil er genau wie ich die auf der Hand liegende Antwort „Loddar“ nicht geben mochte, sondern eine Falle witterte. Matthäus ist aber nicht nur Rekordnationalspieler mit 150 Einsätzen, sondern auch Rekordkapitän mit 75, so wissen wir es jetzt. Bei einer Frage lautete die Antwort tatsächlich „Schach“; daher versuchte ich unsicher zu wirken, um davon abzulenken, dass ich als Schachspieler natürlich im Bilde war, aber das hat nicht geklappt – somit auch hier Stichfrage, schnell drücken und die gelbe Wand dem richtigen Bundesligaklub zuordnen. Das war zu schaffen, denn so viele Teams mit gelben Trikots sind im Oberhaus nicht vertreten. Im letzten Duell gegen Bastian Pastewka kamen zum Glück keine aktuellen Netflix-Serien oder dergleichen vor (Jan Gustafsson kennt sich da aus, aber ich eben nicht). Stattdessen ging es z.T. recht weit in die Fernsehgeschichte zurück und so stand es ratz-fatz und ohne Wackler 5:5. Die Stichfrage betraf einen Klassiker in s/w, den ich zum Glück mal gesehen hatte und daher lösen konnte. (Pastewka bedankte sich hinterher bei mir; er hätte nämlich in dem Moment falsch geantwortet. Und dann wäre es so gewesen, dass der Experte bei der alles entscheidenden Stelle gepatzt hätte – was natürlich Verschwörungstheoretiker veranlasst hätte zu mutmaßen, er hätte das mit Absicht getan, damit es einen Sieger gibt. Aber das bleibt uns nun erspart.) Rausgeschnitten wurde übrigens eine Panne – man hatte versehentlich keine Stichfrage, sondern eine Auswahlfrage gestellt; dort wird der Buzzer erst freigegeben, wenn alle drei Antworten sichtbar sind. Ich hätte das Ding beinahe zerdeppert, weil ich wie gewohnt nach Erscheinen der Frage draufgehauen hatte und es einfach nicht funktionieren wollte. Auch der Moderator JBK war ob dieser Panne in diesem Moment „not amused“.

Nach dem Showdown gegen Pastewka durfte ich oben auf der Couch Platz nehmen und musste mir den weiteren Verlauf ansehen. Diese Warterei „Schafft es noch einer?“ war viel schlimmer als das Spielen selber, am liebsten wäre mir ein sofortiges Finale gewesen gegen egal wen; ich war gerade in Kampfstimmung. (In der April-Sendung, wo ich bei der Aufzeichnung dabei war, hatte es ein Kandidat am Vortag auf die Couch geschafft und musste knappe vier Stunden oben auf seinen Konkurrenten warten. Kein Wunder, dass er im Finale nicht mehr im Wettkampfmodus war und recht klar verlor.) Offenbar war die Warterei auch dem nach mir Kommenden nicht zuträglich gewesen, er schaffte die sieben Antworten nicht. (Sein eher kläglicherAuftritt wurde rausgeschnitten.) Eine Juristin in Elternzeit schaffte zwei Experten und hielt sich ebenfalls an die „Anweisung“, schnell zu buzzern, konnte dann aber den Darsteller von „Joe Black“ nicht nennen. Besser machte es der dann folgende Zahnarzt, der in der gleichen Kategorie den Regisseur von Taxi Driver nennen sollte. Er wusste ihn erkennbar nicht und sagte Scorsese, damit er überhaupt eine Antwort gegeben hatte. Groß war seine Überraschung, als das richtig war. Ich hingegen schüttelte oben nur den Kopf ob solchen Dusels. Nach weiteren Siegen gegen Knopp und Kessler war meine letzte Hoffnung Marcel Reif, denn Frau Thalbach hatte mich bisher wenig überzeugt. Beim Stand von 1:1 mussten beide raten und da war des Dentisten Glück verbraucht – 2:1 für die Expertin, die geradezu einen Jubelschrei losließ; offenbar sagte ihr das Nordlicht nicht so recht zu. Bei der anschließenden sprachlichen Frage wollte ich ihr die richtige Lösung telepathisch übertragen, wusste aber nicht wie. War auch nicht nötig, sie hatte die Mehrzahl von Plural richtig als „Plurale“ identifiziert, 3:2 gewonnen und damit den letzten Kandidaten eliminiert. Kein Finale, kein Bangen mehr – Sieg, Titel und das nette Preisgeld von 100.000 EUR waren mir! (Frau Thalbach, ich leiste hiermit öffentlich Abbitte – Montauk war eine hervorragende Antwort!)

Inzwischen sucht man übrigens die Kandidaten nicht mehr handverlesen aus, sondern man kann sich bewerben. Also ran, Ihr braucht gutes Allgemeinwissen, stabile Nerven und natürlich auch eine Portion Glück – dann kann es klappen. Verlieren kann man nichts, also gibt es keinen Grund, sich nicht zu melden!

Hier die Quizshow mit Michael auf youtube.